Das Thoracic Outlet Syndrom (TOS) kann sich ganz unterschiedlich äußern. Manche Betroffene berichten über Kribbeln und Taubheitsgefühle in der Hand, andere über Schmerzen im Nacken, in der Schulter oder im Arm. Auch ein Gefühl von Schwäche, schnelle Ermüdung des Arms oder eine kalte Hand können auftreten.
Gerade weil die Beschwerden so unterschiedlich sein können und auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, wird ein TOS nicht immer sofort erkannt.
In diesem Artikel geht es darum, welche Symptome typisch sein können, wann sie auf ein Thoracic Outlet Syndrom hindeuten und warum bestimmte Bewegungen – insbesondere das Anheben des Arms – die Beschwerden verstärken können.
Welche Symptome sind bei einem Thoracic Outlet Syndrom typisch?
Welche Beschwerden auftreten, hängt unter anderem davon ab, ob vor allem Nerven, Blutgefäße oder beide Strukturen im Bereich des Thoracic Outlet betroffen sind.
Beim häufigsten, dem sogenannten neurogenen TOS, stehen Beschwerden des Nervensystems im Vordergrund. Dazu können gehören:
- Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ im Arm oder in der Hand
- Taubheitsgefühle
- Schmerzen im Nacken, Schultergürtel, Arm oder in der Hand
- ein Gefühl von Schwere oder Müdigkeit im Arm
- Kraftverlust oder verminderte Belastbarkeit
- Beschwerden, die bei bestimmten Armpositionen zunehmen
- ein Spannungs- oder Druckgefühl im Bereich von Hals und Schulter
Bei einer Beteiligung der Blutgefäße können zusätzlich Kältegefühl, Farbveränderungen, Schwellungen oder Durchblutungsprobleme auftreten.
Wichtig ist: Nicht jedes dieser Symptome bedeutet automatisch, dass ein TOS vorliegt. Viele Beschwerden überschneiden sich mit anderen Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Nervensystems.
Kribbeln und Taubheitsgefühle im Arm – kann TOS die Ursache sein?
Ja. Kribbeln und Taubheitsgefühle gehören insbesondere beim neurogenen TOS zu den möglichen Beschwerden.
Die Ursache liegt darin, dass Nerven im Bereich des Thoracic Outlet gereizt oder eingeengt werden können. Die Beschwerden können dabei vom Hals- und Schulterbereich über den Arm bis in die Hand ausstrahlen.
Interessant ist häufig die Abhängigkeit von der Körper- oder Armposition. Manche Betroffene bemerken beispielsweise, dass die Hand beim längeren Halten des Arms über Kopf oder bei bestimmten Tätigkeiten schneller kribbelt oder taub wird.
Allerdings gibt es viele andere mögliche Ursachen für solche Beschwerden – beispielsweise eine Reizung von Nerven an der Halswirbelsäule oder eine Nervenkompression weiter unten am Arm.
Deshalb ist es wichtig, nicht allein aufgrund von Kribbeln oder Taubheit auf ein TOS zu schließen.
Schmerzen in Arm und Schulter: Wann könnte TOS dahinterstecken?
Schmerzen bei TOS können sehr unterschiedlich empfunden werden. Manche Menschen beschreiben sie als ziehend oder drückend, andere als Spannung oder Brennen.
Häufig befinden sich die Beschwerden im Bereich von:
- Nacken
- Schlüsselbeinregion
- Schulter
- Schulterblatt
- Oberarm
- Unterarm
- Hand
Ein möglicher Hinweis auf ein TOS ist, wenn die Beschwerden abhängig von bestimmten Bewegungen oder Belastungen sind. Zum Beispiel können Tätigkeiten über Kopf, längeres Arbeiten mit den Armen vor dem Körper oder bestimmte Sportarten die Symptome verstärken.
Auch hier gilt: Schulterschmerzen oder Armschmerzen allein sind kein eindeutiges Zeichen für ein TOS. Bei der physiotherapeutischen Untersuchung ist deshalb die gesamte Beschwerdesituation wichtig.
Thoracic Outlet Syndrom und Nackenschmerzen
Nacken- und Schulterschmerzen können gemeinsam mit einem TOS auftreten.
Das ist unter anderem nachvollziehbar, weil der Bereich zwischen Hals, Brustkorb und Schultergürtel funktionell eng miteinander verbunden ist. Veränderungen der Haltung und der Beweglichkeit von Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Rippen und Schultergürtel können die Belastung der umliegenden Strukturen beeinflussen.
Gleichzeitig sind Nackenschmerzen sehr häufig und haben zahlreiche mögliche Ursachen.
Wenn Nackenschmerzen zusammen mit Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Beschwerden im Arm auftreten, sollte deshalb genauer untersucht werden, woher die Symptome tatsächlich kommen.
Warum werden die Beschwerden beim Armheben schlimmer?
Viele Menschen mit TOS bemerken, dass bestimmte Überkopfbewegungen ihre Beschwerden verstärken.
Das kann damit zusammenhängen, dass sich beim Anheben des Arms die Position von Schultergürtel, Schlüsselbein und ersten Rippen verändert. Dadurch verändern sich auch die räumlichen Verhältnisse im Bereich, durch den Nerven und Blutgefäße verlaufen.
Bei einer entsprechenden Empfindlichkeit oder Einengung können bestimmte Positionen deshalb Symptome provozieren.
Typische Situationen können beispielsweise sein:
- Arbeiten über Kopf
- Haare föhnen oder frisieren
- Gegenstände aus einem hohen Regal nehmen
- längeres Halten der Arme in einer bestimmten Position
- bestimmte Kraft- oder Überkopfsportarten
Dabei ist wichtig: Eine Verschlechterung beim Armheben bedeutet nicht automatisch TOS. Auch andere Beschwerden im Schulter-, Nacken- oder Nervensystem können durch bestimmte Armpositionen beeinflusst werden.
Kalte Hände und Durchblutungsstörungen: Kann TOS dahinterstecken?
Ja, in bestimmten Fällen können bei einem TOS auch Blutgefäße betroffen sein.
Bei einem sogenannten vaskulären TOS können beispielsweise folgende Beschwerden auftreten:
- eine ungewöhnlich kalte Hand
- blasse oder bläuliche Verfärbungen
- Schwellungen
- Spannungsgefühl
- Schmerzen
- Unterschiede zwischen der betroffenen und der anderen Hand
Solche Symptome sollten medizinisch abgeklärt werden, insbesondere wenn sie neu auftreten, deutlich ausgeprägt sind oder sich schnell verändern.
Thoracic Outlet Syndrom und Kraftverlust im Arm
Einige Betroffene berichten von einem Gefühl der Schwäche oder davon, dass der Arm schneller ermüdet als gewohnt.
Bei einer Beteiligung von Nerven kann auch eine tatsächliche Kraftminderung auftreten. Dabei ist es wichtig, zwischen einem subjektiven Gefühl von Schwäche und einem objektiv feststellbaren Kraftverlust zu unterscheiden.
Wenn beispielsweise alltägliche Tätigkeiten plötzlich deutlich schwerer fallen oder die Kraft zunehmend nachlässt, sollte die Ursache ärztlich bzw. physiotherapeutisch abgeklärt werden.
Warum schlafen bei TOS die Hände ein?
Das typische „Einschlafen“ der Hand entsteht durch eine vorübergehende Beeinträchtigung der Nervenversorgung.
Beim neurogenen TOS können Nerven im Bereich des Thoracic Outlet gereizt werden. Das kann sich als Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühl bemerkbar machen.
Dabei kann die genaue Verteilung der Beschwerden einen wichtigen Hinweis geben. Ebenso interessant ist, wann die Symptome auftreten: beispielsweise in Ruhe, nachts, bei körperlicher Belastung oder bei bestimmten Armpositionen.
Denn auch andere Nervenkompressionen können dazu führen, dass eine Hand oder einzelne Finger einschlafen.
Einseitige Beschwerden im Arm – welche Ursachen kommen infrage?
Einseitige Beschwerden sind grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Sie können verschiedene Ursachen haben.
Neben einem Thoracic Outlet Syndrom kommen beispielsweise infrage:
- eine Reizung einer Nervenwurzel an der Halswirbelsäule
- Veränderungen oder Beschwerden der Halswirbelsäule
- ein Karpaltunnelsyndrom
- eine Reizung des Ulnarisnervs am Ellenbogen
- Beschwerden des Schultergelenks
- muskuläre oder myofasziale Beschwerden
- Durchblutungsstörungen
Deshalb ist eine genaue Untersuchung entscheidend.
Wie wird festgestellt, ob die Beschwerden zu einem TOS passen?
Bei der Untersuchung geht es nicht darum, einen einzelnen „TOS-Test“ zu finden, der die Diagnose allein bestätigt.
Vielmehr wird das gesamte Beschwerdebild betrachtet.
In der Physiotherapie können beispielsweise folgende Aspekte relevant sein:
- Wo genau treten die Beschwerden auf?
- Welche Bewegungen oder Positionen lösen sie aus?
- Gibt es einen Zusammenhang mit Belastung oder bestimmten Tätigkeiten?
- Wie verhalten sich die Beschwerden bei Veränderungen der Haltung oder Bewegung?
- Gibt es Auffälligkeiten bei Beweglichkeit, Kraft oder Sensibilität?
- Gibt es Hinweise auf eine andere mögliche Ursache?
Je nach Beschwerdebild kann zusätzlich eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls weitere Diagnostik sinnvoll sein.
Was bedeutet das für die Physiotherapie?
Bei Beschwerden, die zu einem TOS passen könnten, ist es besonders wichtig, nicht nur die schmerzhafte Stelle zu betrachten.
Der Schultergürtel, die Hals- und Brustwirbelsäule, die Rippen und die Bewegungssteuerung des Arms arbeiten als funktionelle Einheit zusammen. Auch Alltagsbelastungen, Arbeitsplatz, Sport und individuelle Bewegungsmuster können eine Rolle spielen.
Eine physiotherapeutische Untersuchung kann dabei helfen, herauszufinden, welche Bewegungen und Belastungen die Beschwerden beeinflussen und welche Faktoren möglicherweise zur Symptomatik beitragen.
Die Behandlung richtet sich anschließend nach den individuellen Befunden und nicht allein nach dem Begriff „TOS“.
Wann sollte man Beschwerden ärztlich abklären lassen?
Kribbeln oder Schmerzen im Arm sind häufig harmlos, sollten aber insbesondere bei neu auftretenden oder zunehmenden Beschwerden ernst genommen werden.
Eine zeitnahe medizinische Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
- neu auftretendem oder zunehmendem Kraftverlust
- anhaltenden Taubheitsgefühlen
- deutlichen Durchblutungsveränderungen
- einer plötzlich kalten oder verfärbten Hand
- ausgeprägter Schwellung des Arms
- plötzlich starken oder ungewöhnlichen Schmerzen
Bei plötzlich auftretender deutlicher Armschwäche oder anderen akuten neurologischen Symptomen sollte umgehend medizinische Hilfe gesucht werden.
Fazit
Das Thoracic Outlet Syndrom kann sich durch Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Kraft- und Belastungsprobleme oder – bei Gefäßbeteiligung – durch Veränderungen der Durchblutung bemerkbar machen.
Charakteristisch kann sein, dass die Beschwerden durch bestimmte Armpositionen oder Belastungen beeinflusst werden. Gleichzeitig sind diese Symptome nicht spezifisch für TOS und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten.
Deshalb ist eine differenzierte Untersuchung wichtig. Gerade bei Beschwerden im Nacken-, Schulter- und Armbereich sollte immer das gesamte Zusammenspiel der beteiligten Strukturen betrachtet werden.
Als Physiotherapeutin kann ich Sie dabei unterstützen, Ihre Beschwerden einzuordnen, mögliche funktionelle Zusammenhänge zu untersuchen und gemeinsam mit Ihnen einen passenden Behandlungsansatz zu entwickeln.